Grundannahmen und Handlungsgrundsätze

Das Fundament besteht aus Handlungsgrundsätzen und Prämissen, die unser pädagogisches Konzept prägen. Sie sind Überzeugungen und Grundannahmen darüber, wie Erziehung gelingen kann. Es umfasst dazu auch Welt- und Menschenbilder, die unser tägliches Handeln in unserer Organisation und in der Entwicklung unserer Projekte sichtbar machen.

Erleben und Lernen

Wenn Erlebnisse die bedeutendste pädagogische Kraft darstellen, dann sind auch Bildungsarrangements so auszurichten, dass sie für jede/n Schüler/in zu Erlebnissen führen können. Methodisch-didaktisch fertig gedacht sehen wir nur Lernanlässe, die wahrlich etwas Neues und Spannendes für das einzelne Kind aufweisen. Das impliziert „dramaturgisches“ Vorgehen und ein Bekenntnis zur kreativen aber auch aufwändigen Konzeption von Lernsituationen. Nur Erlebnisse, die mit Spaß, Freude und besonders auch angstfrei erlebt werden, ermöglichen produktives Lernen. Ausgeschlossen sind somit Lernsituationen, die ausschließlich frontal angelegt sind und das Wichtigste auf einem Handout zusammengefasst haben. Hervorzuheben ist der semantische Unterschied, der sich durch die Begriffswahl zu unseren Bildungsangeboten ergibt: Wir arbeiten in Workshops mit unseren TeilnehmerInnen.

„Die Meisten verwechseln Dabeisein mit Erleben“
Max Frisch

Handlungsorientierung

In Verbindung mit der ersten Prämisse ist die Handlungsorientierung zu sehen. Nur dann, wenn ich als SchülerIn aktiv werde und selbst ins Handeln und Tun komme, kann ich zu Erlebnissen kommen. Das gilt wiederum für alle SchülerInnen, wodurch in der Konzeption unserer Bildungsangebote stark darauf Rücksicht genommen wird, dass jedes Kind und jede/r Jugendliche seine/ihre Erfahrungen machen kann. Für jedes Lernarrangement haben wir es damit implizit zum Grundsatz gemacht, dass maximal 10 bis 12 Kinder auf eine Lehrperson, TrainerIn, BetreuerIn, Workshop-LeiterIn kommen. Mit diesem Grundsatz wollen wir auch dafür sorgen, dass Handeln immer auf einer Beziehungsgrundlage beruhen kann, die sich auf Vertrauen, Ermutigung und Rückmeldung stützt.

"Sage es mir, und ich werde es vergessen.
Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten.
Lass es mich selbst tun, und ich werde es begreifen."
(Lao Tse)

Wissenschaftsorientierung

Sämtliches Handeln und Agieren ist durch unsere Nähe zu höheren Bildungseinrichtungen stets wissenschaftsgeleitet und dem letzten Stand der Wissenschaft verpflichtet. Das bezieht sich auf die Entwicklung auf all unseren Konzept-Ebenen: die Grundannahmen unseres Fundamentes sind stets vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Annahmen und Theorien aufzubauen und zu rechtfertigen. Die einzelnen Projektfelder und Säulen sind ebenso sozialwissenschaftlich und pädagogisch zu hinterfragen. In den einzelnen Projekten dürfen keine Konzepte und Ansätze verwendet werden, die theoretisch nicht sauber fundiert sind.

Für all unsere Projekte ist festzuhalten, dass wir uns auf das Strengste gegenüber unseren ProjektpartnerInnen verpflichtet fühlen. Dieser Verpflichtung wollen wir mit einer wissenschaftlichen Evaluierung jedes einzelnen Projektes, aber auch mit einer Gesamtevaluierung unserer Tätigkeiten und Entwicklungen vor dem gesamtgesellschaftlichen Hintergrund nachkommen.

Humanistisches Weltbild

Kernthese des humanistischen Weltbildes ist, dass der Mensch intentional auf Entwicklung ausgerichtet ist. Die Ausrichtung auf Entwicklung kommt durch eine grundsätzliche Neugierde auf alles Neue und Unbekannte (besonders bei Kindern) zur Geltung. Wird die eigene Neugierde nicht gestillt oder sanktioniert, dann verkümmert sie. Der dadurch entstehende Lernfrust ist ein Symptom, das Lebewesen, biologisch gesehen, lebensunfähig macht.

Prägnant formuliert geht es uns darum, Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung – was auch immer das für sie ist – als Vorbilder zu begleiten und ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen, was es für sie in dieser schönen Welt denn alles zu entdecken gibt.

Nachhaltigkeit

Jedes Verhalten, das wir Menschen setzen, muss sozial und ökologisch nachhaltig sein. Das meint einerseits einen wertschätzenden Umgang mit natürlichen Ressourcen und der Natur und anderseits eine auf Kooperation und Unversehrtheit gerichtete menschliche Existenz, die neben dem Heute sehr wohl auch an das Morgen und in langfristigen Dimensionen denkt.

Interdisziplinäre Vielfalt

Interdisziplinäre Vielfalt bedeutet in unserem Kontext, dass wir bemüht sind, viele Interessen und Blickrichtungen zuzulassen. In der Vielfalt von Disziplinen und Denkrichtungen sehen wir ein produktives Spannungsfeld, das eine Orientierungshilfe darstellt und einen Ordnungsrahmen absteckt. Zum Ausdruck kommt dieser Grundsatz durch die Vielfalt an beruflichen Herkunftsberufen unserer MitarbeiterInnen, sowie durch unterschiedlichste Bildungsangebote, oder die verschiedenen methodisch-didaktischen und kreativen Zugängen zur Aufbereitung von Lernarrangements.

Positives Weltbild

Wir blicken positiv, aber auch kritisch auf die Entwicklung von globalen Trends und Tendenzen und freuen uns auf die Zukunft mit all ihren Herausforderungen und Chancen, die natürlich auch Gefahren beinhalten.